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SFP#85

Pots­dam im Kli­ma­wan­del : Die Hit­ze kommt!

18.11.2026 / 18:00 / Rechenzentrum, Dortustr. 46, 14467 Potsdam

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Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Der Kli­ma­wan­del fin­det auch in Pots­dam statt. Der nun zu Ende gegan­ge­ne Hit­ze­som­mer 2026 führ­te in Pots­dam zu Rekord­wer­ten. So wur­de z.B. am 27.6.2026 eine Rekord­tem­pe­ra­tur von 40,4° gemes­sen. Die Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren für Juni 2026 lagen mit 20.3° unge­wöhn­lich hoch und über­tra­fen den Ver­gleichs­wert der Jah­re 1961 bis 1990 um 3,7°. Auch im Juli und August lagen die die Tem­pe­ra­tu­ren um 1,6° bzw. 2,1° höher als im genann­ten Ver­gleichs­zeit­raum.

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Die Beobachtung hitzebedingter Mortalität und Morbidität durch das Hitzenetzwerk Brandenburg u.a. in den Städten Potsdam, Brandenburg, Cottbus und Frankfurt/Oder Brandenburgs zeigt einen eindeutigen Zusammenhang: An Hitzetagen liegt die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufnahmen deutlich über dem Durchschnitt. Dieser statistische Zusammenhang wird durch die entsprechenden Befunde des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam für diesen Sommer bestätigt, wobei die Stadtteile mit einem hohen Versiegelungsanteil besonders betroffen sind.

Die Stadtverordnetenversammlung Potsdam hat daher beschlossen, das Hitzeschutzkonzept für Potsdam aus dem Jahr 2019 zu aktualisieren und mit einer bedarfsgerechten Finanzausstattung zu versehen.

Die Deutsche Umwelthilfe hat 2026 einen kommunalen Hitzecheck vorgelegt (s. Quellen), bei dem Potsdam relativ gut abschneidet. Beim Beschirmungsgrad (Grad der Bedeckung des Bodens durch Vegetation) liegt Potsdam mit Wuppertal und Kiel in der Spitzengruppe (s. auch: ZEIT v. 20.8.26, Infografik Stadtbäume). Beim Versiegelungstrend (Veränderung der versiegelten Verkehrs- und Siedlungsfläche zwischen 2018 und 2025) liegt Potsdam mit einem Zuwachs von 0,23 % im Mittelfeld. Beim Hitzebetroffenheitsindex hat Potsdam ebenfalls einen relativ guten, beim Baumverlust allerdings einen schlechten Wert. Der Baumzustandsbericht für Potsdam (s. Quellen) bestätigt dieses Ergebnis und zeigt zugleich auf, daß kurzfristig in diesem Bereich keine Besserung zu erwarten ist.

Diese Daten werden durch die Ergebnisse des Umweltmonitorings der Landeshauptstadt Potsdam in wesentlichen Punkten bestätigt (s. Quellen). Danach ist der Versiegelungsgrad der Gesamtfläche Potsdams zwischen 1992 und 2022 von 9,4 % auf 13,2 % gestiegen. Bei der Hitzebelastung ist die Zunahme in den innerstädtischen Bereichen besonders in den südöstlichen Wohngebieten auffällig.

Grünflächen und Baumschutz

Die qualitative Verbesserung und Vergrößerung von städtischen Grünflächen ist ein zentraler Punkt der Klimaanpassung, der auch kurzfristig z.B. beim Hitzeschutz Entlastung schafft. In diesem Bereich hat die Stadtverwaltung Potsdam eine Reihe von wichtigen Maßnahmen in die Wege geleitet, wozu u.a. neue Grundsätze für die nachhaltige Bewirtschaftung von kommunalem Grün in Potsdam gehören (s. Beitrag von Jeanette Hanko, KIS Potsdam, auf dem 82. STADT FORUM POTSDAM am 1.10.2025).

Ein weiterer Handlungsbereich ist das Straßengrün. Die letzte Fortschreibung des Baumschutzberichts für Potsdam von 2021/22 hält eine hohe Zahl an Baumverlusten fest. Dieser Bericht umfasst 126.000 Bäume im öffentlichen Straßen- und Grünraum der Stadt. Hinzu kommen 5.200 ha Waldflächen, die ca. 28 % des Stadtgebiets umfassen. Die Situation bei den Bäumen im öffentlichen Raum ist durch zunehmende Vitalitätsverluste insbesondere aufgrund von Trockenheit, aber auch durch Schädlinge, Bodenverdichtung, Streusalz etc. geprägt (+ 15%). Die Zahl der Bäume mit Pflegebedarf steigt seit 2017 ständig an und liegt z.Zt. bei ca. 20 %. Besonders betroffen ist die nördliche Innenstadt. Auch die Zahl der Fällungen steigt, wobei die Zahl der Neupflanzungen von Straßenbäumen annähernd gleichbleibt. Ein Grund für diese Stagnation sind die steigenden Kosten für Neupflanzungen und Anwuchspflege. Bis 2024 waren die dafür erforderlichen Finanzmittel abgedeckt, seit 2025 besteht allerdings ein starker Mittelrückgang, der derzeit noch über Förderprogramme abgefangen werden kann. In der Tendenz wird die Vitalität und die Zusammensetzung der Potsdamer Straßenbäume abnehmen. „In zehn Jahren wird sich der Altbaumbestand auf 50 % reduzieren.“ (Baumzustandsbericht 2021/22, S. 1). Der daraus resultierende Anstieg des Finanzbedarfs der Landeshauptstadt Potsdam für Neupflanzungen sowie für Pflege- und Schutzmaßnahmen kann nach aktuellem Stand nicht abgedeckt werden.

Entsiegelung - Das Leitbild Schwammstadt

In diesem Zusammenhang spielt auch die Entsiegelung von städtischen Flächen eine große Rolle. Entsiegelte und v.a. wieder begrünte Flächen können sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Raum viel Niederschlagswasser aufnehmen, verlangsamt wieder abgeben und dem Grundwasser zuführen. Zudem bewirken sie eine Abkühlung durch Verdunstung, was zur Vermeidung der Hitzebelastung und zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität für die Menschen in besonders häufig frequentiert Bereichen beiträgt. Schließlich wird dadurch auch eine Überlastung der Abwassersysteme vermieden. Potsdam hat bei der Entsiegelung von Verkehrsflächen schon durchaus positive Erfahrungen gemacht. Bei der Umgestaltung der Gartenstadt Drewitz wurden zahlreiche Stellplätze und ein Teil der Straßenbahnflächen entlang der Konrad-Wolf-Allee in eine grüne Promenade umgewandelt. Beim Umbau des Schlaatz (Masterplan Schlaatz 2030) werden mehrere größere Stellplatzflächen entsiegelt und mit Bäumen bepflanzt (s..

Die o.g. Effekte für den Wasserhaushalt werden unter dem Begriff Schwammstadt zusammengefasst. Dabei geht es um die Fähigkeit einer Stadt, ein Zuviel an Wasser aufzusaugen, dieses Wasser „wie ein Schwamm“ zu speichern und es dann durch ⁠Verdunstung, Versickerung oder nach einer Wiedernutzung beispielsweise zur⁠ Bewässerung verzögert wieder abzugeben. Die Schwammstadt nähert sich damit wieder einem natürlichen Wasserkreislauf an. Das Prinzip der Schwammstadt, also einer Stadt, die das auf ihrer Fläche anfallende Regenwasser speichert und nicht länger ableitet, ist auch für den Umbau der Potsdamer Freiflächen zur Maxime geworden und ist im neuen Stadtteil Krampnitz in Form eines innovativen Wasser- und Grünkonzepts zur Grundlage geworden.

Darüber hinaus hat die Stadt Potsdam schon zahlreiche Planungen eingeleitet bzw. beschlossen und Maßnahmen in die Umsetzung gebracht, die zwar unmittelbar keine Entlastung bringen, aber mittel- und langfristig zu einer Verringerung der Klimabelastungen etwa durch Reduzierung des CO²-Eintrags in die Atmosphäre beitragen. In diesem Kontext ist beispielsweise der Kommunale Wärmeplan (Stadtentwicklungsplan Wärme, s. Quellen) für Potsdam zu nennen, der im Juni 2026 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde. Seine Kernaussage ist, daß „die vollständige Versorgung Potsdams aus erneuerbaren Wärmequellen bis 2045 technisch möglich ist, wenn auch herausfordernd“. Bei der Umstellung der erneuerbaren Wärmeerzeugungsanlagen zählt Potsdam zu den Vorreitern. Es läuft nicht nur seit Jahren eine Solarthermieanlage und seit 2025 Brandenburgs erste Tiefengeothermieanlage zur Fernwärmeversorgung. Zur Ablösung des Gasheizkraftwerks wird darüber hinaus im Rahmen eines dezentralen Erzeugerparks derzeit im Potsdamer Süden die zweite Tiefengeothermieanlage gebohrt und im direkten Anschluss die dritte in der Gartenstraße.

Ein weiterer Hebel zur Verringerung des CO²-Eintrags in die Atmosphäre ist die Umrüstung des öffentlichen, privaten und kommerziellen Nahverkehrs auf Elektromobilität. Dafür kann die Kommune viel tun, z.B. durch Stärkung des ÖPNV-Anteils am örtlichen Verkehrsaufkommen (in Potsdam v. a. durch den Ausbau der Straßenbahn), durch Verbesserung des örtlichen Netzwerks an Pkw-Ladestationen, durch Geschwindigkeits- und Durchfahrtsbeschränkungen für den fließenden Verkehr etc.

Das Beispiel Erfurt

In Erfurt, einer Stadt, die durch ihren Status als Landeshauptstadt Thüringens und aufgrund ihrer Einwohnerzahl gut mit Potsdam vergleichbar ist, war 2023 ein Bürgerentscheid über eine Neuregelung der für die Stadt klimarelevanten Vorgaben erfolgreich.
„Der Klimaentscheid Erfurt hatte 2022 über 7.000 gültige Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt mit dem Ziel, die Stadt bis 2035 klimaneutral zu machen. Nach Feststellung der Gültigkeit der Unterschriften erarbeitete der Klimaentscheid gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage für den Stadtrat. Im Juni 2023 folgte dieser der vorgeschlagenen Zielstellung, dass Erfurt so schnell wie möglich klimaneutral werden soll. Das am 15. Mai 2024 vom Stadtrat verabschiedete Dokument ‚Klimaschutz in Erfurt – Die Handlungsgrundlage der Verwaltung‘ enthält die ersten kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zur Erreichung der schnelleren Klimaneutralität. Der Klimaentscheid Erfurt ist eine Initiative des Bündnisses für Klimagerechtigkeit Erfurt. Dem Bündnis gehören viele lokale Organisationen und Initiativen an, die sich für eine lebenswerte, klimagerechte Stadt einsetzen. Wir haben ein großes Ziel vor Augen: eine klimaneutrale Zukunft in Erfurt. Wir wollen keinen Beitrag mehr zur menschengemachten Klimakrise leisten. Das heißt, dass die Stadt ihren CO₂-Ausstoß sehr stark senken und verbleibende Emissionen ausgleichen muss. Mit unserem erfolgreichen Bürgerbegehren haben wir erwirkt, dass der Stadtrat die vormalige Zielsetzung, die CO₂-Emissionen bis 2050 in kleinen Schritten auf 20 % zu senken, nachjustiert hat.“ (Zitat Webseite Bündnis für Klimagerechtigkeit)
Der Stadtratsbeschluss hält nun folgendes Ziel fest:
"Die Landeshauptstadt Erfurt setzt sich das Ziel, in ihrem Wirkungskreis eine Klimaneutralität unter Wahrung des 1,5-Grad-Ziels zur Begrenzung der globalen Durchschnittstemperatur zu erreichen. Der Stadtrat beschließt das Bürgerbegehren ‚Erfurt klimaneutral bis 2035‘ in veränderter Form. Die für die Zielerreichung wesentlichen Handlungsbereiche der Stadt, die mit einem Restbudget untersetzt werden sollen, betreffen vor allem
a) Energieerzeugung und -versorgung
b) ÖPNV
c) Eigene Liegenschaften der Stadtverwaltung Erfurt“
(Zitat Stadtratsbeschluss Dr. 0954/22 v. 10.5.2023)

Fragen für die Diskussion:

  1. Wie kann die Mitwirkung der Bewohner beim Hitzeschutz/Baumschutz verstärkt und auch finanziell wirksamer werden z.B. durch Baumspenden und Entsiegelungsprämien?
  2. Wie lässt sich der Bau öffentlicher Brunnen und Wassernebelanlagen im öffentlichen Raum vorantreiben?
  3. Kann das Instrument eines (ggf. erfolgreichen) Volksentscheids zur kommunalen Klimapolitik für Potsdam dazu führen, daß das öffentliche Bewusstsein für den Klimaschutz geschärft wird und die Klimaziele der Stadt anspruchsvoller werden?
  4. Welches sind die Maßnahmen mit großer Hebelwirkung? Mit welchen Maßnahmen können Synergieeffekte erzeugt werden?
  5. Wie kann der bereits bestehende Abschnitt des Stadtkanals in der Yorckstraße bei Starkregen zur Regenwasserrückhaltung genutzt werden? Wann werden die Ergebnisse der Planungen für den noch wiederherzustellenden Abschnitt des Stadtkanals zwischen Kellertor und Burgstraße umgesetzt?
  6. Werden die klimarelevanten Anregungen aus dem "Studentischen Ideenwettbewerb in Potsdam 2022 zum Stadtraum am Kanal“ in der weiteren Planung z.B. des INSEK 2035 berücksichtigt?

Für die Kerngruppe
Günter Schlusche

Quellen:

Umweltmonitoring der Landeshauptstadt Potsdam https://www.potsdam.de/de/content/umweltmonitoring-0

BHMF-Projekt Ex Trass: Urbane Resilienz gegenüber extremen Wetterlagen - Fallstudie Potsdam Abschlussbericht der Universität Potsdam 2024/25
https://www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/extrass/1-BMBF-Fkz-01LR2014A-E_final.pdf

Stadtverwaltung Potsdam, Fortschreibung des Baumzustandsbericht 2012-2022 mit Zwischenstand 2023/24
https://egov.potsdam.de/public/to020?0--attachmentsVo-expandedPanel-content-body-rows-1-cells-2-cell-link&TOLFDNR=153750

Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe:
https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Kommunaler_Umweltschutz/Hitzecheck/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2026.pdf

Foto auf Startseite: LHP/GM03

Beiträge

Lars Schmäh

Fachbereichsleiter

Landeshauptstadt Potsdam,Bereich Klima, Umwelt und Grünflächen

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Robert Bednarsky

Sprecher

Klimaentscheid Erfurt

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Prof. Dr. Felix Creutzig

Leiter der Arbeitsgruppe „Städte“

Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

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Dr. Ariane Walz

Mitglied

Klimarat Potsdam

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